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Von AVENguy
Übersetzung von Carsonspire, xaida und maz
Ist Asexualität das gleiche wie ein Zölibat?
Nein. Menschen, die zölibatär leben, ziehen es vor, sich sexueller
Aktivitäten und/oder Beziehungen zu enthalten, während Asexuelle sich nicht veranlasst fühlen,
sexuelle Beziehungen überhaupt einzugehen.
Können sich asexuelle
Menschen in jemanden verlieben?
Asexuelle Beziehungen können genau so eng
und intim wie sexuelle sein. Sexualität ist eine Möglichkeit, Gefühle in
einer engen Beziehung auszudrücken, aber keineswegs die einzigste. Alles, was
durch Sexualität ausgedrückt werden kann (Gefühlsäußerung, Spass, physische
Nähe, usw.) kann auch nicht-sexuell erreicht werden, obwohl nicht-sexuelle
Beziehungen nicht unbedingt wie sexuelle "aussehen". Es gibt gesellschaftliche
Normen für sexuelle Verhältnisse, um die sich asexuelle Menschen nicht unbedingt
kümmern. So gehen manche Asexuelle mit anderen aus, manche bilden nur enge
Freundschaften. Die meisten machen, was immer ihnen gefällt.
Woher
weisst du, dass asexuelle Beziehungen genau so eng wie sexuelle sind? Hast
du denn schon einmal eine sexuelle Beziehung gehabt?
Nein, habe ich nicht, aber ich habe mit genug Menschen (auch asexuellen)
gesprochen, die eine sexuelle Beziehung gehabt haben. Die Idee, dass sexuelle
Beziehungen nicht anders als asexuelle sind ist schwer zu akzeptieren, denn uns
ist beigebracht worden, dass Sex eine ganz wichtige Sache ist. Tatsache ist
aber, dass Sex oft als Medium für etwas anderes dient. Er wird benutzt, um
Gefühle auszudrücken, sein Ego anzukurbeln, Spaß zu haben, usw. Das sind die
wichtigen Dinge. Nicht der Sex selbst, und all das kann asexuell erreicht
werden.
Gibt es viele
asexuelle Menschen?
Obwohl es viele Menschen gibt, die wenig sexuelle Neigung empfinden, nennen sich
nur wenige "asexuell". Der Begriff und die Vorstellungen hinter diesem Begriff
erleichtern aber die Kommunikation (dafür gibt es diese Webseite) und helfen
Leuten ihren Platz in der sexuellen Welt besser zu verstehen. Hat das deine Frage
beantwortet?
Nein.
Okay, okay. Nicht viele Menschen sind bekennende Asexuelle, weil Asexualität in
unserer Gesellschaft bisher keine „gültige“ Wahlmöglichkeit darstellt. Je
bekannter diese Option jedoch wird, desto mehr Menschen finden sich eher darin
wieder als in vorherrschenden Vorstellungen über Sexualität.
Haben asexuelle Menschen einen Sexualtrieb?
Manche Asexuelle haben einen Sexualantrieb, andere haben keinen. (Für eine
genauere Analyse, siehe Theorie). Stell dir Sexualität als eine
Stereoanlage vor. Jeder hat einen Lautstärkeregler und einen Knopf zur
Senderwahl. Manche hören Musik nur im Hintergrund, manche stehen auf und tanzen,
manche drehen das Radio voll auf bis es unausstehlich wird. Dann gibt es Leute,
die ihren Lautstärkeregler so leise stellen, dass sie die Musik kaum hören
können, und deshalb darauf nicht achten. Es gibt auch welche, deren Lautstärke
durchschnittlich, aber deren Radio auf Störgeräusch eingestellt ist. Da das
Störgeräusch nicht besonders interessant ist, achten sie auch nicht darauf.
Hast du Sexualität verdrängt? Ich räume die Möglichkeit ein, dass mich irgendein verdrängtes traumatisches
Erlebnis am Empfinden sexueller Anziehung hindert oder dass ich wegen
verinnerlichter Homophobie homosexuelle Neigungen unterdrücke. Ich habe keine
Anzeichen dafür, dass eins von beidem der Fall ist, und bis mir ein Hinweis
darauf unterkommt, halte ich mich damit nicht auf.
Ist es möglich, dass du einfach noch nicht den
richtigen Menschen gefunden hast?
Ich räume auch die Möglichkeit ein, dass ich jemanden finden könnte, zu dem ich
mich sexuell hingezogen fühle und mit dem eine romantische Beziehung unterhalten
würde, jedoch bemühe ich mich nicht darum, jemanden zu suchen. Ich könnte ebenso
“einfach den richtigen Menschen finden” wie eine Lesbe “einfach den richtigen
Mann finden” könnte. Es ist im Grossen und Ganzen möglich, aber spielt hier
keine Rolle.
Warum gibt es so wenig
Information über Asexualität?
Es gibt mehrere Gründe, warum Asexualität im Zuge der lesbisch / schwulen
Bewegung weitgehend ignoriert wurde. Unsere Gesellschaft nimmt immer noch an,
dass Menschen bis zum Beweis des Gegenteils heterosexuell sind. Wenn eine Frau
Lesbe ist, wird ihr etwas Grundlegendes auffallen, nämlich, dass sie sich zu
Frauen hingezogen fühlt. Es fällt ihr ziemlich schwer zu ignorieren, dass sie
die heterosexuelle Norm nicht erfüllt. Der Erkenntnisprozess, dass man sich zu
jemandem NICHT hingezogen fühlt, ist viel feiner. Immerhin gibt die Gesellschaft
an, wem und wie wir uns hingezogen fühlen sollen. Daher ist es für asexuelle
Menschen relativ einfach, mit dem Strom zu schwimmen und sich wie Heterosexuelle
zu benehmen. Natürlich haben diese Menschen dann oftmals massive Probleme mit
der Sexualität, aber das unterscheidet sie von außen betrachtet von sexuellen
Menschen in keinster Weise.
Erst als Menschen mit der Vorstellung
aufwuchsen, es sei auch möglich, nicht heterosexuell zu sein, konnten diese den
Schritt wagen, sich selbst als Asexuelle zu bezeichnen. In den letzten Jahren
kam es daher vermehrt zu Äußerungen von Leuten, die sich mit ihrer Asexualität
identifizieren. Diese "bekennenden" Asexuellen stellen wahrscheinlich nur einen
kleinen Prozentsatz der ganzen asexuellen Bevölkerung dar.
Im Gegensatz
zu schwulen, lesbischen und bisexuellen Menschen werden Asexuelle nicht bereits
von ihren sexuellen Neigung dazu veranlasst, sich zu suchen. Das hat es für uns
schwieriger gemacht, eine asexuelle Gemeinschaft aufzubauen. Asexuelle Menschen
sind auch nur minimal von „Heterosexismus“ betroffen, daher sind wir weniger motiviert, eine Gemeinschaft aufzubauen.
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